Nachruf

Jan-Uwe Klee


Nach längerer Krankheit ist Jan-Uwe Klee am 8.9.2022 im Kreise seiner Familie gestorben. Die letzten Wochen seines Lebens waren geprägt durch die liebevolle und intensive Pflege und Begleitung seiner Frau Verena und ihren vier Kindern. Bis fast zuletzt durften auch viele Freunde, Bekannte und Weggefährten noch Abschied von ihm nehmen und in Gesprächen, Telefonaten und Besuchen seinen immer noch klaren und interessierten Blick auf die Themen des Lebens erleben.

Als Bauersohn und der Mittlere von 5 Geschwistern wurde Jan-Uwe 1948 geboren und wuchs auf dem 9 ha großen elterlichen Betrieb in Stuckenborstel auf. Der Vater Johann Klee, politisch nicht unbelastet, öffnete sich nach Kriegsende für die Anthroposophie und wurde mit seiner Frau Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft und der Christengemeinschaft und stellte den Hof 1955 auf die biodynamische Wirtschaftsweise um. Somit hatte Jan-Uwe Aufgabe und Chance in einem als elterliches Erbe: Emanzipation aus tradierten Strukturen und Denkmustern einerseits, andererseits einen eigenen Weg in den sich neu eröffnenden Gedankenwegen des Biodynamischen zu finden. Bereits mit 14 Jahren besuchte er seinen ersten Lemimo. Als prägendes Erlebnis nahm er Ende der 60er Jahre an den „Freitagsstunden“ (morgens um 7.00 Uhr) teil, die Nikolaus Remer auf dem Bauckhof für junge Menschen hielt, die sich im Biodynamischen weiterentwickeln wollten und besuchte die damaligen landwirtschaftlichen Jugendtagungen. Es gab eine intensive Zusammenarbeit mit dem Lesekreis der Bremer-Sottrumer Demeter-Bauern. Der so erarbeitete biologisch-dynamische Impuls sollte ihn sein Leben lang begleiten, als praktischer Bauer, Ausbilder, Geschäftsführer der Bäuerlichen Gesellschaft oder bei seinen vielfältigen Tätigkeiten im Demeter- Verband.

Die landwirtschaftliche Lehre machte Jan-Uwe ein Jahr zu Hause und ein Jahr auf Hof Dannwisch bei Dieter Scharmer.

Statt Wehrdienst zu leisten, entschied sich Jan-Uwe für den Entwicklungsdienst und ging für einige Zeit nach Peru und Ecuador, was ihm neue Perspektiven auf viele Dinge ermöglichte.

Danach machte er seine Meisterprüfung auf dem Hof Wörme.

1976 lernte Jan-Uwe seine Frau Verena kennen, die in Stuckenborstel ein Praktikum machen wollte. Nach 10 Tagen verlobten sie sich. Ein Sohn und drei Töchter kamen die folgenden Jahre zu ihnen. Mittlerweile gibt es 8 Enkelkinder.

Ein weiteres Anliegen, das sich durch Jan-Uwes Leben zog, war die Pädagogik und die Ausbildung junger Menschen. Neben seiner Arbeit auf dem Hof gab er 10 Jahre Gartenbauunterricht an der Ottersberger Waldorfschule z.T. auf dem eigenen Hof. 1983 war er im Rahmen der bäuerlichen Gesellschaft Mitinitiator der Freien Ausbildung für junge Landwirt:innen und Gärtner:innen und blieb der Ausbildung mit viel Engagement verbunden. Durch seine coachenden Fähigkeiten war er auch später willkommener Teilnehmer am Mentoringprogramm für neue Betriebsleiter:innen.

Neben der Arbeit auf dem Hof war Jan-Uwe schon früh aktiv im Kreis der Demeter-Bauern beratend und unterstützend tätig. Half dem einen oder anderen beim Ausfüllen der Remerschen Kohlenstoffbilanz. 1980 wurde er zweiunddreißigjährig Mitglied im Vorstand der Bäuerlichen Gesellschaft und blieb es 35 Jahre lang. 1985 erhielt er durch die Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Verarbeitung und Handel (AVH) und die Betreuung der zum Teil sich neu gründenden Betriebe im Handels- und Verarbeitungsbereich einen weiteren Arbeitsschwerpunkt seiner Tätigkeit in der bäuerlichen Gesellschaft. 1991 war er bei der Gründung der Sottrumer Bauern-Molkerei beteiligt und zeitweise ihr Geschäftsführer.

Neben seinen Tätigkeiten in der Bäuerlichen Gesellschaft war Jan-Uwe auch in verschiedenster Weise im Demeter- Verband tätig. Bereits 1994 wurde er Vorstand im Forschungsring. Im Rahmen der Neustrukturierung des Demeter-Bundes 2007 gehörte er ab 2008 dem neu geschaffenen Aufsichtsrat an. Diese Tätigkeit übte er bis 2017 aus. Besonderes Anliegen war ihm immer gemeinsam sachorientiert in die Zukunft zu arbeiten. Seine klaren Analysen von Prozessen und Situationen förderten manche Entscheidungsfindung und halfen gegenseitige Vorurteile abzubauen und gemeinsame neue Strukturen zu finden.

Viele Jahre arbeitete Jan-Uwe in Dornach im Vertreterkreis für die biologisch-dynamische Landwirtschaft mit.

2007 gingen Jan-Uwe und Verena Klee für ein knappes Jahr nach Juchowo in Polen, um das Demeter-Projekt beim Aufbau sozialer und pädagogischer Einrichtungen zu unterstützen – eine nicht leichte Aufgabe.

Nach seiner Rückkehr wurde er vom Vorstand der Bäuerlichen Gesellschaft als Geschäftsführer angefragt in Nachfolge von Joachim Bauck. In seiner Zeit von Ende 2009 bis 2015 als Geschäftsführer der Bäuerlichen Gesellschaft sah er seine Aufgabe darin die Bäuerliche Gesellschaft aus familiären Bindungen in eine zeitgemäße Entwicklungsgemeinschaft auf bio-dynamischer Grundlage zu führen. Er war sich nicht zu schade ein Mann des Übergangs zu sein. Die Lemimo-Struktur und die Ausbildungsleitung wurden neu gegriffen und es wurden klare Vertragsstrukturen für Mitarbeiter:innen geschaffen. Vererbte Emotionalitäten waren ihm ein Graus. In einer Zeit des Wachstums und des öffentlichen Interesses am Ökolandbau war ihm die Öffnung der bäuerlichen Gesellschaft für neue Betriebe ohne „Gesinnungsprüfung“ und Moralinität wichtig. Die Arbeit mit den Obstbauern und Obstbäuerinnen lag ihm am Herzen.

2010 gelang Jan-Uwe und seiner Familie, was schon seit seiner Hofübernahme sein Ziel war: Der Neubauer Hof wurde in die Gemeinnützigkeit gegeben. Im Rahmen der Kulturlandgenossenschaft wurde die Klee-Stiftung gegründet und heute bewirtschaftet Jan-Uwes Neffe Jens Cordes den Betrieb und die Pachtflächen, mittlerweile über 100 ha groß.

Auch im „Ruhestand“ hat Jan-Uwe noch viele Höfe und Landwirt:innen bei landwirtschaftlichen und sozialen Fragen unterstützt, war viele Jahre in den Vorständen bei Hof Lütjen, in Wörme oder auf dem Adolphshof engagiert und konnte seine Lebenserfahrung einbringen.

Zu Jan-Uwes Beisetzung kamen über 200 Menschen aus Stuckenborstel, Norddeutschland, der Schweiz, Norwegen und anderen Ländern. Die vielen Menschen zeigten das Spektrum der Menschen, Themen und Gebieten, die sich Jan-Uwe im Laufe seines Lebens erarbeitet hatte. Abschiedsfest statt Trauerfeier war sein Wunsch!

Jan-Uwes Fähigkeiten und Eigenart etwas nüchtern, nicht zu redegewandt, aber klar, analytisch, sachorientiert – mit dem Herz am rechten Fleck – Prozesse zu führen, Konflikte zu ebnen, Zusammenzuarbeiten, in den Diskurs zu gehen, zu moderieren und dies in einer selbstlosen Art wird uns in der Bäuerlichen Gesellschaft und in der persönlichen Begegnung fehlen. Wir werden ihn als einen Menschen, der fest verwurzelt im Biodynamischen immer daran gearbeitet hat Ursprüngliches in zeitgemäße den Menschen angepasste Formen zu verwandeln ohne den inhaltlichen Kern zu verlieren, in ehrendem Andenken behalten.

für den Vorstand der Bäuerlichen Gesellschaft e.V.

Sabine Adam